Zwei Hochzeiten und ein Todesfall oder wie langsam versucht wird die Monarchie zurückzubeten

Wenn mehr oder weniger bekannte JournalistInnen Blogs als Medium für sich entdeckt haben ist dies oft genug eine Zumutung. Da kann z.B. der Profil-Chefredakteur eigenartigste Fragwürdigkeiten rund um die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Strauss-Kahn veröffentlichen, einen Text schreiben ( „Freiheit für den Mann“), der neben der erschreckend niedrigen stilistischen Qualität, so viele problematische Stellen enthält, dass er hier gar nicht weiter diskutiert werden muss, da er sich ohnehin von selbst diskreditiert.

Ein anderer, wahrscheinlich DER Journalist der Blogosphäre Österreichs – zumindest in dessen Selbstwahrnehmung -, Andreas Unterberger, der seine Texte gerne als Abo verkauft, hat nun wieder ein trauriges Paradebeispiel dieser Zunft veröffentlicht. Offen bekennt sich Unterberger in diesem mehr als eigenartigen Text, als Monarchist, stellt die wenige Demokratie die in Österreich noch existiert in Frage und ruft zur Rückkehr ins Mittelalter auf, ideologisch und politisch zumindest – die Technik um seine Tagebucheinträge zu veröffentlichen und zu Geld zu machen, sollte wahrscheinlich doch erhalten bleiben. Dass sich Unterberger ins konservativste Eck stellt sollte ja nicht weiter verwundern mit welcher Vehemenz er dies in diesem Nachruf auf Otto Habsburg tut darf aber doch erschüttern.

Nach dem mehrstündigen Themenabend zum Tod von Otto Habsburg im ORF war man ja schon an einseitige Berichterstattungen rund um die Habsburger gewöhnt, und natürlich verlangen Nachrufe ihre eigene Pietät, einen Nachruf allerdings derart zu missbrauchen, dass man hierin seinen ganzen lebenslang angestauten Sozi-Hass und den anscheinenden Hass auf die Demokratie verpackt, scheint doch äußerst verstörend zu sein. Neben den wenigen Sätzen zu Otto Habsburg und dessen Tod besteht der Großteil dieses Textes darin, die „gute alte Zeit“ zu feiern, sich die Monarchie unter den Habsburgern zurückzuwünschen, die Geschichte zu verdrehen und jede Menge sonstiges politisches Kleingeld zu wechseln. Würde man in einem Nachruf auf Habsburg- in ähnlich intensiver Weise -, statt auf die Demokratie, auf die Monarchie schimpfen, würde sich das konservative Bürgertum zu jeder Menge wutbürgerischen Anklagen der Pietäts- und Geschmacklosigkeit hinreißen lassen. Aber Unterberger darf diese Gelegenheit zur unverschämten Abrechnung mit der Politik nützen.

In den heutigen Zeiten ist es ja nicht weiter unüblich, dass Monarchisten Oberwasser wittern, schließlich wird gefühlt jedes Wochenende geheiratet und der gesamte Hochadel Europas kommt aus dem Feiertaumel gar nicht mehr heraus, da die Könige und Königinnen sowieso keine anderen Aufgaben haben als Feste zu feiern und sich dabei von Millionen ZuschauererInnen beobachten zu lassen, ist den armen Adeligen wenigstens nicht langweilig auf ihren riesigen Besitztümern, die von SteuerzahlerInnen erhalten werden. Annähernd jeder Fernsehsender und jede Zeitung entpuppen sich dann an solchen Wochenenden als Societyblätter und berichten stunden- und seitenlang über Tränen, kurze Küsse, holprige Kutschenfahrten und sonstige Tragödien aus dem Leben der Adeligen.

Unterberger geht jedoch in dieser Monarchienostalgie noch einen Schritt weiter, und versucht die Habsburger als tatsächliche vernünftige Alternative zur derzeitigen maroden demokratischen Lage zu fantasieren. Ist dabei um keinen Elbogencheck gegen den Bundespräsidenten verlegen und beschimpft auch sonst so ziemlich alle die sich für Demokratie in diesem Land einsetzen. Da ist der Satz: „Es hat auch ganz jammervolle Herrscher aus dieser Familie gegeben.“ schon der monarchiekritischste Kommentar Unterbergers, sonst lobt er den König an der Spitze für die Einheit und Identität die er diesem Land wiedergeben könnte, verachtet die „Diebesbanden“ die den Habsburgern das Eigentum und die Einreiseerlaubnis verwehrten und die unvernünftigen, die tatsächlich der Meinung sind, das demokratisch legitimierte Staatsoberhäupter eine bessere Alternative als generationsübergreifende Herrscherfamilientyranneien sind.

Dieser Kommentar Unterbergers ist ein jämmerliches Zeugnis der geschichtsverleugnenden Kurzsichtigkeit dieser selbsternannten „liberalen Bürger“, die tatsächlich „einen schritt Richtung Monarchie“ als einen vernünftigen Schritt erachten. Ein Schritt Richtung Monarchie ist allerdings allerhöchstens ein Sprung zurück, der an Lächerlichkeit und Dummheit kaum übertroffen werden könnte, und sinnbildlich für die postdemokratische Politikverdrossenheit, die sich manchmal eben auch in Demokratiehass verwandelt, steht. Unterberger stellt hier einen Vordenker in das Mittelalter zurück, ein liberaler Rückdenker also …

Für die geschichtsverfälschende Widerlichkeit dieses Textes steht dieser Satz wohl exemplarisch, der diesem Text die Krone der Jämmerlichkeit aufsetzt:

Aber vor allem habe ich tiefe Hochachtung vor jenem Mann (Otto), der nach Engelbert Dollfuß die mutigsten und ernsthaftesten Anstrengungen unternommen hat, um Österreich vor dem Zugriff der Nazis zu retten, und um einen spürbaren österreichischen Widerstand gegen die Hitler-Diktatur zu organisieren.

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Liessmann und die Leberkäsephilosophie

Kaum eine Talkrunde, eine Podiumsdiskussion oder eine Feuilletonspalte, die Konrad Paul Liessmann noch nicht beehrt hat, er der Philosophie auf massenverträgliche Art wieder populärer gemacht hat, auch wenn das meiste so Publizierte dadurch eher von Oberflächlichkeit bis Belanglosigkeit denn von philosophischen Mehrwert geprägt ist. Es ist nicht leicht philosophische Problematiken, die für die meisten Leute – und dass nicht immer ungerechter Weise – einen trockenen und verstaubten Anschein haben, lebendig und gut verständlich darzustellen. Auch scheint mir jeder Ort welcher der Philosophie – und sei es auch nur diesem belanglosen oberflächlichen Feuilletonessayismus – gegeben wird, als wichtig, um die Philosophie im öffentlichen Diskurs einzubringen. Auch wenn die Hauptaufgabe der Philosophie nicht darin besteht, auf ihr zugewiesene Randspalten in Kleinformaten zu warten, sondern sich selbst Raum zu nehmen, macht es Sinn so präsent wie möglich zu sein. Allerdings kann diese Präsenz, dieser Drang Zeitungsseiten oder sonstige bedruckbare Papiere mit philosophischen Anekdoten zu füllen, dieses Bedürfnis immer und überall philosophisch angehauchte Essays zu publizieren, zu weit gehen, sie kann unangenehm penetrant werden, oder wie in dem hier zu behandelnden Fall auch unpassend und zu tiefst problematisch sein.

Da liegt in der Ostersonntagskrone eine Werbebeilage eines Leberkäseherstellers (oder ist es ein Schinken), dessen Produkt aber eben nicht Leberkäse benannt werden darf  – warum auch immer. Es ist ein aufwendig gestaltetes, zum Gestus der Produktbewerbung dieses Lebensmittels passendes, ein von der Firmengeschichte bis über reich bebilderte Rezepte gefülltes im Nespresso meets Ama Gütesiegel Stil gehaltenes ‚edles‘ Werbeheftchen. Anscheinend die Kurzfassung eines 106 seiten starken Leberkäsemagazins zum Thema „Original“. Und gleich den Beginn dieses Heftchens macht ein zweiseitiger Essay von Liessmann zu dem Thema „Am Anfang war die Kopie. über das Original und seine Aura“. Nun liest sich dieser Essay nicht unbedingt schlecht, auch der Großteil der Aussagen darin ist wenn auch nicht originell so zumindest argumentiert dargebracht, der eine oder andere Gedanke ladet sogar zum Schmunzeln ein. Was ist nun also mein Problem mit diesem Text.

Das Problem liegt nicht direkt am Text selbst, sondern an den Veröffentlichungsumständen. Hier wird eine teure Werbekampagne gefahren, die vor allem die Originalität und Unkopierbarkeit dieses Produktes betonen soll, nicht umsonst heist das ganze Werbeheftchen „Oft kopiert, nie erreicht“. Passend zu diesem Schwerpunkt der Werbekampagne wird nun DER österreichische ‚Starphilosoph‘ gebeten/bezahlt einen Essay zum Verhältnis von Original und Kopie zu schreiben. Genau hier scheint mir nun das Problem zu liegen, denn dieser Text, so logisch viele der darin vorgetragenen Gedanken auch anmuten, ist damit Teil dieser Werbekampagne. Die Leberkäsefirma wollte hier keine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage des Verhältnisses zwischen Original und Kopie bestellen und abdrucken, sondern einen im philosopschien Gestus vorgetragenen Beweis, dass das Original – also der Schinken-Leberkäse – nicht kopierbar ist, von einer einzigartigen Aura umgeben ist, die eben kein anderes Produkt am Markt erreichen kann. Liessmann konnte also, selbst wenn er zu den Thesen in diesem Text vollkommen steht keine freie Arbeit abliefern, keine philosophische Auseinandersetzung, die bestimmte Urteile tatsächlich in Frage stellen würde schreiben – auch wenn Liessmann durchaus angestrengt wenn nicht sogar krampfhaft versucht pseudo-subversive Statements einzuführen um eben doch der Aufgabenstellung auszuweichen, was jedoch völlig misslingt -, er konnte nicht mal einen Feuielltonessay verfassen, sondern eben nur einen Feuilleton ohne Feuilleton Werbetext. Er schrieb daher also einen philosophischen Beweis der Grandiosität des originalen Leberkäses. Auch wenn der Text als üblicher Feuilleton durchaus nicht weiter fragwürdig wäre, ist er notwendigerweise in diesem Kontext seiner Veröffentlichung ein Marketingbeitrag getarnt als Philosophie. Dies scheint mir eines Wissenschaftlers unwürdig, und der Philosophie sowieso.

Da schreibt Liessmann in diesem Text, dass das Original erst durch den Versuch es zu kopieren überhaupt zum Original wird – womit man natürlich überhaupt nicht an die Werbesprüche der Firma denken muss -,da schreibt er, dass Billigimitationen nur den Marktwert des Originals steigern, und dass das Original von einer geheimnisvollen Aura umgeben ist, die es als „ursprünglich“, „echt“, „einzigartig“ und „erstmalig“ auszeichnen. Worte also die bewusst zur Beschreibung des Leberkäses im gesamten Heft ebenfalls verwendet werden. Abgesehen davon, dass Liessmann Walter Benjamins Begriff der Aura völlig verkürzt darstellt, und gerade wenn es um die Reproduzierbarkeit geht auch völlig aus dem politischen Kontext bei Benjamin loslöst (hier gilt der Verweis auf das Original nämlich Benjamins Kunstwerkaufsatz), ist die gesamte Argumentation des Textes in diesem Erscheinungszusammenhang eine perfide philosophisch angehauchte Werbekampagne.

Philosophie sollte nicht als Intellektualisierung eines Werbeheftchens herangezogen werden, Philosophie darf nicht als wissenschaftliche Untermauerung der Einzigartigkeit eines Fleischproduktes verwendet werden und das sollte eigentlich auch Herr Liessmann wissen. Frei nach Benjamin kommt es eben leider nicht zu einer Philosophisierung des Marketings sondern zur Marketingisierung der Philosophie. Philosophie darf eben nicht zur Leberkäsephilosophie verkommen.

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Die ÖVP als Großwildjäger … „Elfenbeinpolitik“ und andere Beinbrüche

Jetzt ist sie im Wanken, die ÖVP, die vermeintlichen Christdemokraten befinden sich seit ihr Chef, Josef Pröll, im Krankenhaus liegt nun ebenfalls auf wackeligen Beinen. Man konnte ja vieles vermuten, aber, dass die ÖVP mit ihrem Parteichef symbolisch gleich mit zusammenklappt und ebenfalls einer Behandlung bedarf, hätte man wohl kaum erwartet.

Noch immer nicht erhohlt vom Dauerangriff auf den ehemaligen Fast-Spitzenkandidaten Grasser, und das im Moment nicht wirklich Imagefördernde Engagement des ehemaligen Echt-Spitzenkandidaten Schüssel als Atomlobbyist,  ist die ÖVP einmal mehr im Visier der Korruptionsjäger. Da wird der ÖVP Spitzenkandidat der EU Wahl 2009 von JournalistInnen der Sunday Times gnadenlos vorgeführt, wie er sich brüstet mit unglaublichen Zahlungen an ihn um Gesetzesentwürfe für seine Kunden zu „verbessern“, und wie er aus dem Nähkästchen des Lobbyisten plaudert, der vermeintlich Europaparlamentsmitglied wurde, nur um sein Netzwerk für später zu verfeinern. Das ganze wirkt leider nicht wirklich außergewöhnlich sondern scheint in Brüssel „no na part of the game“ zu sein, kaum verwunderlich also, wenn auch nicht weniger schlimm, dass auch ÖVP Spitzenpolitiker an vorderster Korruptionsfront mit dabei sind. Pröll und seine Kollegen (evtl. sogar einige der wenigen Kolleginnen) werden also jetzt schwer bereuen, dass sie Strasser gegen den „Vorzugstimmenkaiser“ Karas, der nicht nur vom Wahlvolk präferiert wurde, sondern auch klar kompetenter und vertrauenswürdiger ist, durchgedrückt haben, und nicht nur das Wahlvolk betrogen sondern sich – wie nun offensichtlich wurde, jedoch auch vorher absehbar war – selbst ein Bein gestellt haben.

Hinten und vorne krachen der ÖVP symbolische aber auch physische Beine zusammen, überall knackts in dieser Partei. Da passt es ins Bild dass nun Ferdinand Maier, bekannt für seine üblich zynischen Wortmeldungen, das einzige was man so von ihm so hört – einen Brief (hier der Artikel dazu) an den VP Klubvorsitzenden Karlheinz Kopf geschrieben hat, indem er diesem so einiges an den Kopf wirft. Von einer „Verhöhnung des Klubs“ und „Dilettantismus“ ist hier zu lesen, die Parteispitze die also abgehoben von der so genannten Basis – zu der sich auch Maier zählen kann, immerhin ist er ja Generalsekretär des Raiffeisenverbandes, also so zu sagen der Inbegriff der ÖVP-Basis – agiert, insgesamt scheint dieser Brief also nicht unbedingt allzuviel Neues zu enthalten.

Zentral scheint mir jedoch die Aussage, dass die ÖVP Spitze eine „Elfenbeinpolitik“ betreibe. Tja, jetzt ist es ans Licht gekommen, die ÖVP ist nicht die Lobbypartei der Raiffeisen sondern der Großwildjäger, „Elfenbeinpolitik“ ist wohl die wahre Enthüllung der letzten ÖVP-Krisengebeutelten Wochen. Vielleicht meinte Maier ja auch eine Elfenbeinturmpolitik, was durchaus Kontext passend wäre, mir scheint hier jedoch Maiers originale Wortwahl zutreffender zu sein.

Vielleicht tritt die ÖVP ja bald unter dem Namen, der in der Szene schon seit längerem bekannt ist, auch bei der Wahl an, und wir können uns dann endlich für die ÖGP entscheiden, die eine Lücke in der Österreichischen Parteienlandschaft füllt. Wirtschaftsliberale Parteien haben wir doch schon genug, wir brauchen eine Österreichische Großwildjäger Partei (ÖGP), die eben noch wirkliche „Elfenbeinpolitik“ macht.

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„Geht des ah a bissl humaner?“ Eine Frage an die ganze Nation

Noch immer schockiert von einer weiteren unglaublichen Abschiebung – eine Frau, die sich trotz Drohungen zu einer Aussage gegen die Menschenhändler durchgerungen hatte, die sie nach Österreich verschleppt und zur Prostitution gezwungen hatten wurde mitten in der Nacht nach Nigeria abgeschoben, anscheinend ist dies der Dank für die Aussage – erreicht uns schon wieder die nächste Meldung polizeilicher Willkür, die in diesem Land nun schon an der Tagesordnung zu stehen scheint. Da zeigt ein junger Mann Zivilcourage indem er eine anscheinend unverhältnismäßig brutale Amtshandlung an einem schwarzen Mitbürger beobachtet, indem er zu den Polizisten sagt: „Geht des ah a bissl humaner?“; nicht mehr und auch nicht weniger braucht es um die amtshandelnden PolizistInnen zu einer weiteren unverhältnismäßigen Amtshandlung zu bewegen, denn sie beschließen kurzerhand den jungen Mann, der lediglich faire, menschenwürdige Behandlung forderte, über die Nacht einzusperren und zu demütigen, ohne ersichtlichen Grund. (Den genaueren Verlauf kann man in dem ausgezeichneten Blogbeitrag von Werner Reisinger auf no na part of the game nachlesen).

Bei der Demo gegen die offensichtlich ungerechtfertigte Abschiebung, welche ich oben beschrieben habe, wurden die DemonstrantInnen eingekesselt und teilweise wurden auch die Personalien aufgenommen. Dies passiert leider nur zu oft, wenn sich die Gegner und Gegnerinnen der österreichischen Abschiebepraxis, auf die Straße begeben, um auf die Ungerechtigkeiten in diesem Land aufmerksam zu machen. Allzu oft wird Zivilcourage mit Repression und polizeilicher Willkür beantwortet. Mal wird eine harmlose Kritik mit einer Nacht Gefängnis vergolten, leider noch öfter passieren ähnliche Dinge wie der Zeugin, die nach ihrer Aussage, die sie mutig trotz Drohungen getätigt hatte, einfach abgeschoben wird.

Was ist also los in diesem Land. Warum werden widerlichste Vorgänge von nur wenigen kritisiert und von einem großen Teil der Massenmedien in diesem Land weitgehend überhaupt ignoriert – oder es wird erst berichtet, wenn es bereits zu spät ist um Abschiebungen noch zu verhindern. Mit ein Grund scheint zu sein, dass Zivilcourage in diesem Land einfach zu oft bestraft wird, auf verschiedenste Art und Weise.

„Geht des ah a bissl humaner?“ ist das mindeste was wir uns alle öfters fragen müssten, eine Frage die man auch an Fekter und alle anderen führenden PolitikerInnen stellen müsste, also behalten wir diese Frage öfters im Hinterkopf. Denn selbst ein „bisserl“ mehr an Humanität täte diesem Land gut, auch wenn es damit alleine leider noch lange nicht getan wäre.

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Der Falter wird zum Meerschweinchen

Da hat sich doch vor einigen Wochen der von mir sehr geschätze Aufdeckungsjournalist im Club 2 – meinen Bericht dazu gibts hier – massiv über Wikileaks und das unzensierte Veröffentlichen im Internet beschwert, ja es quasi als Verbrechen dargestellt, nur weil Klenk damit seine Profession als Enthüllungsjournalist gefährdet sah. Damals kündigte er im Club 2 an, dass er Zugang zu Abhörprotokollen von Telefongesrächen zwischen Grasser und Meischberger habe, diese im nächsten Falter präsentieren wird, aber so etwas niemals im Internet veröffentlichen könnte, weil dass seinem Journalistenethos widersprechen würde.

Im Falter vom 8.12.2010 wurden dann Teile dieser Protokolle veröffentlicht. Nun gab es tatsächlich wenig Resonanz auf diese erschütternden Veröffentlichungen und wenige andere Medien haben dieses Thema aufgenommen. Im Falter vom 15.12.2010 beschwert sich Armin Turnher in seinem Leitkommentar über eben jene „bescheidene Resonanz“ auf diesen Artikel, und kann sich einen Seitenhieb auf den „Cyberwar„, der anscheinend den Falter-Veröffentlichungen die Show stahl, nicht ersparen. Die von Turnher und dem Falter so viel beschworenen Meerschweinchen seien also daran schuld, dass diese Enthüllungen nicht den reisenden Absatz bekamen, den sie verdient haben.

Nur eine Woche später ändert der Falter nun seine Taktik. Heute am 21.12.2010 werden die Protokolle unzensiert (wie es heißt) veröffentlicht, und zwar – man mag es als eifriger Falterleser kaum glauben – im Internet, gratis und für alle zur Verfügung. Florian Klenk, der kurz nach dem Club 2 einen Twitteraccount eingerichtet hat, verkündetet diese Botschaft heute, und natürlich haben wir „Meerschweinchen“ uns alle gefreut. Die Veröffentlichung wurde für 17:00 Uhr angekündigt, als dann allerdings schon einzelne Seiten im Internet auftauchten (weil sie Teil einer parlamentarischen Anfrage sind) schickte Klenk den Link zu der Falterveröffentlichung doch gleich aus.

Siehe da, der Falter ist zum Meerschweinchen geworden. Letzte Woche wurde eben diesen noch die Schuld an der geringen Resonanz in die Cyberschuhe geschoben, heute werden sie gebeten, ihre Netzwerke zu nützen und die #Falterleaks eifrig zu verlinken, posten und verteilen. Auch wenn der Falter – bedingt durch die bisherige Ignoranz gegenüber den neuen Medien – diese Veröffentlichung noch etwas tolpatschig durchführte, sei es mit der angekündigten Zeit, oder auch dass auf allen 26 vom Falter veröffentlichten Seiten, riesengroß und unzählige Male im Hintergrund Falter zu lesen ist, was eine ungute Penetranz ausstrahlt, so ist dies heute doch ein riesen Schritt in die richtige Richtung. Der Falter dürfte also erkannt haben, dass das Internet eventuell auch für eine Zeitung attraktive Möglichkeiten bietet. Wir sind begeistert.

Die Meerschweinchen – ein katastrophaler Begriff übrigens – sind allerdings nicht nachtragend, sind dem Falter also für die jahrelangen Angriffe nicht unbedingt böse, sondern verbreiten nun eifrig diese Enthüllungen, vor allem weil wir alle auf der selben Seite stehen, wir alle möchten nämlich dass diese erschütternden Protokolle möglichst viel Resonanz bekommen, vielleicht versteht das Turnher auch bald. In diesem Sinne werden wir dem Falter helfen seinen Einstieg ins Web zu finden und hoffen nun auf einige weitere Falterleaks. Und die werden kommen, denn nach wenigen Minuten gab es bereits einige Hundert Tausend Zugriffe auf die Protokolle, und der Server brach kurz zusammen, dass ist doch ein Erfolg (oder ein DDos Angriff der bösen Meerschweinchen). Es scheint auch schon einen ersten Mirror zu geben. Und keine Angst lieber Falter, nur weil nun der eine oder andere Artikel im Internet erscheint, werde ich auch ganz bestimmt nicht mein Falterabo abbestellen. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass nun auch endlich die Falterhomepage umgestaltet werden sollte.

Hier der Link zu den veröffentlichten Protokollen (unzensiert und „supernackt“)

Hier der Link zu Florian Klenks Twitteraccount

und hier noch ein zum Thema der Protokolle passendes geniales Liedchen:

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Das beleidigte Komitee

Da hat es sich nun also zu Wort gemeldet, das Unsichtbare Komitee, spricht zu uns über einen kurzen indymedia Eintrag und will damit in der deutschen Debatte über den Kommenden Aufstand intervenieren. Müssen wir uns nun geehrt fühlen dass das Unsichtbare Komitee aus dem Schatten heraus zu uns spricht, uns wieder einige unverständliche Brotkrümelchen hinwirft? Nein. Dieser Debattenbeitrag des Komitees erinnert mehr an einen beleidigten Rülpser als an eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit der Kritik am eigenen Werk.

2007 erschien der Kommende Aufstand zum ersten Mal, damals auf französisch, bald darauf gab es auch schon eine erste englische Version und nun ist auch eine deutsche Version erschienen, sogar in gedruckter Form, die nun kiloweise in den Buchläden herum liegt und dem Nautilus Verlag wohl eine bessere Weihnachtsverkaufsbilanz bescheren wird als üblicherweise, dies ist aber nur einer der zahlreichen Widersprüche des ganzen Theaters rund um das Komitee. Auch ich habe mich der Hysterie um dieses Büchlein angeschlossen, es gelesen und meine eigene Rezeption verfasst. Auch beobachte ich was andere BloggerInnen und KommentatorInnen dazu zu sagen haben und sammle diese Beiträge in einer kommentierten Liste. Ich stehe diesem Buch äußerst kritisch gegenüber, bin aber natürlich, wie viele andere auch, von einer gewissen Faszination ergriffen und denke dass dieses Buch rational kritisiert werden muss. Diese ernsthafte Auseinandersetzung und Kritik mit dem Büchlein geschieht in den deutschen Feuilletons, die dieses Buch seit einiger Zeit für sich als neues Lieblingsobjekt entdeckt haben, leider nur allzu selten, und eine Intervention in diese Debatte ist durchaus wichtig, allerdings nicht mit einem durch und durch ihr-könnt-mein-buch-nicht-leiden-deswegen-mag-ich-euch-auch-nicht Gestus. In Frankreich sind die angeblichen VerfasserInnen dieses Büchleins bis zu 6 Monate ohne Prozess in Untersuchungshaft gesessen, zweifelsohne eine repressive Überreaktion eines hilflosen Staates – der dieses Buch als terroristische Gefahr sieht und damit die beste Werbekampagne überhaupt eröffnet hat – eine Überreaktion also, die auch in Österreich und anderen Ländern immer öfter angewendet wird. Im deutschsprachigen Raum wird dieses Buch nicht als Terrorismusgefahr für den Staat interpretiert, sondern eher als neuer Shootingstar der linken Theorie. Der ersten Euphoriewelle folgte dann allerdings auch bald sanfte und teilweise sogar fundierte Kritik, und dann kam noch der – nicht mal ganz so abwegige – Gedanke ins Spiel, dass durchaus in manchen Ideen im Kommenden Aufstand auch Ähnlichkeiten zu rechtem Gedankengut zu finden sind. Das dürfte nun dem unsichtbaren Komitee endgültig zu viel geworden sein, darauf musste es in gewohnt undurchsichtiger Art antworten.

In Frankreich wurden sie verfolgt, zu Staatsfeinden erklärt und in Deutschland werden sie auf den Kulturseiten diskutiert, dass kränkt natürlich das Kommunenego, dass doch vom System als Feind erkannt und ernannt werden möchte. Daher wird der Feuilletons-Kommentar-Dschungel auch gleich als Diskurs bezeichnet, und in diesem „Diskurs“ haben eben sowieso nur die gesprochen, die vom System dazu ermächtigt wurden. Allerdings wurde das Thema selbst immerhin vom Komitee vorgelegt, dass die Kommentare inhaltlich großteils keine Qualität hatten weißt diese Debatte wohl auch als Nicht-Diskurs aus, die Machtverteilung in solchen Debatten ist aber natürlich eine herrschende systemkonforme. Der Vorwurf „weil sie ihre Stimme als profitable Ware haben platzieren können“ in Bezug auf die, die mitreden dürfen, ist allerdings wohl auch dem Komitee zu machen, immerhin verkaufen sich die Exemplare des Büchleins hervorragend. Was stört nun das Komitee konkret an dem vermeintlichen „Diskurs“ rund um ihr Büchlein? Es geht darum, dass anders als in Frankreich, in Deutschland begriffen wurde dass diesem Buch nicht durch repressive Haft – welche gegenteiligen Effekt hat – sondern durch Kritik entgegenzukommen ist. Diese Kritik ist eben nicht vollkommen positiv ausgefallen – größtenteils aber sowieso positiver als erwartet und verdient – und daher spricht das Komitee von dem Versuch die „Wahrheiten“ ihres Büchleins zu de-legitimieren. Der Schlüsselabsatz dieser Antwort des Komitees sei hier zitiert:

Die äußerste Form der Repression des Gedankens ist nicht die Vernichtung des menschlichen Körpers, der ihn äußert, sondern der Anschlag auf den Gedanken selbst. Die effektivste Form des Anschlags: seine De-Legitimierung. Man müsste eine Geschichte schreiben über die vielen Spielarten und Techniken dieser De-Legitimierung, die erst das »aufgeklärte Zeitalter« hervorgebracht hat. Leere Signifikanten wie »reaktionär« und »anti-modern« zählen in der aktuellen diskursiven Verfasstheit der westeuropäischen Länder zu den wirksamsten Werkzeugen, mit denen sich die »Debatte« abweichende Ansätze vom Hals hält. Eine Herrschaft, die solche Feinde hat, ist heute unverdächtig und total. Eine geschützte Herrschaft. »Wir sind anti-modern – man braucht sich nicht mehr um uns zu kümmern. Legt den Fall zu den Akten«, liest man zwischen unseren Zeilen. Wir erwidern nichts. Kein Argument. Beschreibt uns, wie Ihr wollt. Verwaltet weiter, igelt Euch ein, verschweigt die Irritationen. Wir erlauben uns eine weitere Vulgarität: Wir scheißen darauf. Die Distanz zur Straße wird Euch irgendwann einholen.

Hieraus kann man deutlich lesen, dass das Komitee beleidigt ist. Sie sind als antimodern und reaktionär bezeichnet worden und deswegen „scheißen“ sie jetzt darauf. Werfen den anderen Distanz zur Straße vor, sprechen selbst jedoch in einer Sprache die ganz gezielt „die Straße“ ausschließt, weil sich das Komitee in pseudointellektuellen Sätzen im akademischen Sumpf suhlt, dagegen habe ich prinzipiell nichts, manche Gedanken müssen kompliziert formuliert sein, aber dann darf man nicht die Nähe zur Straße für sich beanspruchen sondern muss sich seiner eigenen Widersprüche bewusst sein. Auch zu formulieren „Wir erwidern nichts. Kein Argument“ und diesen Satz in ein Erwiderungsschreiben an die deutsche Debatte einzugliedern, wo man selbst weiter oben noch von intervenieren geschrieben hat, zeigt die Vielzahl der Widersprüche in denen das Komitee agiert. Später versuchen sie dann natürlich schon mit Argumenten gegen die Kritik zu debattieren, dies gelingt in meinen Augen jedoch weitestgehend unzureichend.

„Gesellschaft heißt gerade, dass er [der Mensch] nicht bei sich ist.“ Dieser zum Solipsismus neigende Satz zeigt, dass es dem unsichtbaren Komitee darum geht unter sich zu bleiben, in der Kommune, denn dort muss man sich nicht verteidigen, muss nicht auf die Kritik Antwort geben muss nicht die eigenen Thesen begründen, sondern kann sagen, alle anderen werden es schon sehen, die Geschichte wird beweisen dass wir recht haben. So eine Haltung ist in der politischen Theorie nicht wirklich produktiv und zielführend und beleidigte Antworten auf Kritik sind es erst recht nicht.

 

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zur Rezeption des „kommenden Aufstandes“

Nachdem ich selbst meinen Kommentar zum „kommenden Aufstand“ verfasst habe: „Alle Macht den Kommunen?… oder wieso der Aufstand nur im Kommen bleiben wird“, möchte ich mich nun den unzähligen anderen Kommentaren zu diesem eigenartigen aber doch faszinierenden Büchlein widmen. Hierzu erhebe ich selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit (werde auch laufend weiter ergänzen, dafür bitte ich um Hinweise und Anmerkungen). Ich wollte einfach nur die zahlreichen Kommentare mit meiner persönlichen Kritik versehen und sammeln:

Das ganze ist ohne Reihung aufgelistet, und es sind sowohl exzellente Artikel oder Blogeinträge als auch sinnentleerte absolut nicht lesenswerte Artikel erwähnt. Wem etwas fehlt einfach mir twittern (Coppelius) oder als Kommentar darunter schreiben:

  • „Revolte ist noch kein Programm“ auf WOz die Wochenzeitung: Ein rundum verschiedenste Aspekte reinbringender Kommentar – vom Wutbürger bis zu den G8 Protesten in Genua, von der deutschsprachigen Rezeption des Büchleins bis zur Literatur – richtig aussagekräftig wird der Kommentar dadurch jedoch nicht, eher flach. Ein relativ unspektakulärer und vernachlässigbarer Artikel.
  • „Der Kommende Aufstand und eine absurde Debatte“ ehemals Blog von Klaus Bittermann, verlinkt ist der Google Cache: Sehr gezielte und fundierte Kritik an der eigenartigen Rezeption des Büchleins im deutschen Feuilleton. Dann folgt auch im zweiten Teil des Artikels eine kurze Auseinandersetzung mit dem Büchlein selbst, auch hier werden einige wichtige Punkte erwähnt. Ein insgesamt sehr gelungener Kommentar, der leider eben nicht mehr am Blog selbst zu finden ist.
  • „‚L’insurrection qui vient‘ – An der Bahnsteigkante knapp vor ‚Ankunft der Revolution'“ auf trueten.de: Ein ausgezeichneter Kommentar, der präzise Stärken und Schwächen des kommenden Aufstandes herausarbeitet. Auch wenn ich persönlich inhaltlich nicht ganz mit der Analyse rund um die Kraft der Kommunen übereinstimmen kann, ist der Kommentar durchwegs gut argumentiert. Besondere Stärke ist hier die gute, philosophisch fundierte Analyse der Thesen des Büchleins, die sich nicht auf poststrukturalistische Philosophen beschränkt, sondern auch auf produktive Weise die Moralisten, Descartes, etc einbringt, lesenswert.
  • „Noch einmal: ‚L’insurrection qui vient'“ auf trueten.de: Dieser Kommentar beschäftigt sich im Wesentlichen mit den Überlegungen, dass im Kommenden Aufstand auch rechte Elemente zu finden sind (Jünger, Schmitt, Heidegger). In verschiedenen Punkten bringt der Autor in diesem Kommentar gute, fundierte Argumente – auch wenn ich wiederum nicht mit allem übereinstimmen kann – warum der Kommende Aufstand keine rechte Lektüre ist. Auch einige Kritik -bzw. einige Anmerkungen – an den Thesen des Büchleins werden gebracht, alles in allem ein guter Kommentar.
  • „Verwaltet weiter, verschweigt“ vom Unsichtbaren Komitee: da hat es sich doch glatt zu Wort gemeldet, das Unsichtbare Komitee höchst persönlich, und zwar auf indymedia. Kommentieren will das Komitee die deutsche Debatte rund um den Kommenden Aufstand, sie wollen dort intervenieren, wo der Diskurs geschieht. Im insgesamten erfährt man nicht allzu viel neues, trotzdem sollte man diese Stellungsnahme unbedingt lesen. Hier findet sich meine ausführlichere Kritik an diesem Schreiben des Unsichtbaren Komitees.
  • „Der Kommende Aufstand – Unsichtbares Komitee oder ’schnallt euch fest'“ auf if-blog.de: Kurzer prägnanter Artikel, der zwar inhaltlich gar nicht auf den Kommenden Aufstand eingeht, leider auch nicht wieter ausführt welche Thesen im ersten Teil (den 7 Kreisen) er so gelungen findet, ich sehe da nämlich auch einige problematische Stellen. Aber  der Beitrag kritisiert vor allem – und dies auch zu Recht – den zweiten Teil des Büchleins, die so genannten konkreten Handlungsanweisungen. Geht zwar nicht in die Tiefe ist aber recht nett geschrieben.
  • „Der Kommende Aufstand und Zahnschmerzen“ auf boess.welt.de: Kurzer, nicht wirklich gewinnbringender Kommentar, der glaubt, indem er dem unsichtbaren Komitee Zahnschmerzen wünscht, deren Thesen zu widerlegen. Dies kann aber nur in einer ernsthaften Auseinandersetzung geschehen und nicht in einem kleinen Beitrag, wo nicht mal klar ist, ob der Autor das Büchlein überhaupt gelesen hat. Auch zu sagen, diesem Buch sollte keine Aufmerksamkeit zu Teil werden, aber einen Blogbeitrag darüber zu verfassen ist eher widersprüchlich.
  • „Der Kommende Aufstand – Ein Kommentar“ auf fuehlenunddenken.blogspot.com: Kurzer nicht allzu berauschender Kommentar, der kritisch auf einige Punkte des Kommenden Aufstandes eingeht, Stärken und Schwächen des Büchleins weitestgehend erkennt aber im insgesamten nicht wirklich empfehlenswert.
  • „Das Kommunistische Manifest 2.0 oder: Self-fulfilling prophecy“ auf glanzundelend.de: Dieser eher nichtssagende Kommentar, der nicht einmal seinen vielversprechenden Titel erklärt oder näher darauf eingeht, beschränkt sich mit einem kurzen Abriss über die Situation der angeblichen AutorInnen nur um dann zum Schluss zu kommen dass dieses Büchlein nur einen einzigen philosophisch wertvollen Satz enthällt, dieser sei allerdings unglaublich genial. Der angesprochene Satz ist allerdings nicht unbedingt der gewinnbringendste lautet er doch: Nichts von allem, was sich präsentiert, ist auch nur im Entferntesten auf der Höhe der Situation.“ Die ganze Rezension nun auf diesen Satz zu beschränken erscheint mir nicht sonderlich zielführend, daher ist dieser Kommentar nicht wirklich lesenswert.
  • „Zundelfrieder & der Rest der coolen Gang in Zeiten der Globalisierung“ auf glanzundelend.de: Dieser Kommentar versucht mit vielen Querverweisen, klugen Zitaten und interessanten Schlussfolgerungen den kommenden Aufstand historisch und polit-theoretisch sowie poli-praktisch zu verorten, und doch geht es hier mehr um den Gestus des Textes, der Flugschrift, als um den tatsächlichen Inhalt. Der Gestus, die Ideen des Büchleins sind alle nicht neu, dies wird hier sehr genau gezeigt, von der französischen Revolution bis zu Anonymous. Besonders letztere scheinen den Autor zu faszinieren (was bei den sonstigen Veröffentlichungen des Autors nicht weiter verwundert), und so sieht der Autor in Anonymous auch mehr revolutionäres Potential als im unsichtbaren Komitee. Insgesamt ein reichhaltiger wenn auch wenig auf das Büchlein selbst eingehender, lesenswerter, kluger und interessanter Kommentar.
  • „Kritik der affirmativen Vernunft in 30 Paragraphen“ auf glanzundelend.de: Eine kreative, kluge und einzigartige Auseinandersetzung mit dem kommenden Aufstand, wenn auch nur auf bestimmte Phrasen eingegangen wird und der Artikel sich kaum mit der Substanz des Buches auseinandersetzen will. Stattdessen werden 30 Paragraphen rund um den Aufstand und vor allem die Rebellion gebracht, die zum großen Teil in starker Selbstironie verfasst sind und eine Unzahl an schönen Zitaten und Stehsätzen anbieten. Eigenwillige aber auf jeden Fall lesenswerte Auseinandersetzung mit der Rebellion heutzutage, und das am Rande des kommenden Aufstandes.
  • „Nur eine schöne Kunstfigur?“ auf glanzundelend.de: Ein kurzer, oberflächlicher und völlig nichtssagender Kommentar, der weder in die Tiefe geht noch wirklich über das Büchlein und über Politik reden möchte. Das Büchlein nur auf einer literarischen Ebene zu betrachten ist zu wenig und die paar politischen Absätze sind relativ verzichtbar. Erscheint mir ein überflüssiger Kommentar zu sein.
  • „Ein linkes Manifest als Bestseller“ auf freitag.de: Einer der wenigen Kommentare, die schon vor Veröffentlichung des kommenden Aufstandes auf Deutsch dieses Büchlein behandelten. Dieser Kommentar ist einer der lesenswertesten, der sehr klar die Stärken und Schwächen des Büchleins erläutert, die wenigen philosophischen und theoretischen Anknüpfungspunkte die dieses Werk hat, einbringt und auch eine Analyse über die Rezeption in Deutschland wagt (bei der er sich leicht verschätzt zu haben scheint). Besonders die Betonung des Hybridcharakters des Buches (für die einen zu theorielastig für die anderen zu wenig im theoretischen Jargon geschrieben) und die darin liegende Problematik, dass sich keiner ganz angesprochen fühlt ist sehr gut herausgearbeitet. Ein wirklich gelungener und äußerst lesenswerter weil kluger Kommentar.
  • „Alle sind sich einig. es wird knallen“ auf glanzundelend.de: Dieser Kommentar geht zwar nur relativ kurz auf den kommenden Aufstand selbst ein, aber versucht sowohl einige theoretische Entwicklungen vor der Entstehung des Büchleins (auch nicht linke Theorien) nachzuzeichnen um den Entstehungs- und Rezeptionskontext besser verstehen zu können, sondern es werden auch eine Fülle an mehr oder weniger brauchbaren Links zu allen möglichen Artikeln angeboten. Der Autor versucht an einer Stelle das Links-rechts Schema für überholt zu erklären nur um an einigen anderen Stellen dieses selbst wieder völlig selbstverständlich zu verwenden. Die ständigen versuche philosophische Querverweise einzubauen sind nicht nur aufdringlich sondern auch an vielen Stellen entweder pures Name-dropping oder auch inhaltlich vollkommen verfehlt und falsch. Nebenbei sei hier erwähnt, dass Sartre nicht von „die Hölle sind wir“ gesprochen hat, wie der Autor es fälschlicherweise meint, sondern natürlich schrieb: „Die Hölle, das sind die anderen“. So finden sich zahlreiche Schwächen in diesem Artikel (es erscheint auch wenig kreativ den Neoliberalismus mit dem schwarzen Block zu vergleichen) und im insgesamten ist er weder besonders schlecht noch  besonders lesenswert, sondern nur nichtssagend mittelmäßig.
  • „Wider den Napoleon-Komplex“ auf glanzundelend.de: Dieser in seiner eigenen Bindestrich-Wortkonstruktions-überbordenden-Sprache verlorene völlig selbstverliebte Kommentar spart sich eine wirkliche ernsthafte Auseinandersetzung mit dem kommenden Aufstand und sult sich lieber in sarkastischen Bemerkungen und in problematischen politischen Analysen der aktuellen Verhältnisse. Zwar sind einige schöne Sätze zu finden, die wunderbare Polemiken gegen PolitikerInnen und das Büchlein bieten, aber leider verliert sich der Autor in seiner pseudo-hochtrabenden Sprache viel zu oft, und fährt sogar einige sehr problematische anti-französische Polemiken auf. Alles in allem ein eigenartiger, wenig zur Sache geschriebener Kommentar.
  • „Der kommende Aufstand. Zur Rezeption und Kritik“ auf infopartisan.net: Ein gelungener Kommentar, der sich einerseits der eigenartigen Kommentarwelle im „bürgerlichen Feuilleton“ widmet und anderseits im äußerst lesenswerten Schlussteil die blauäugige Utopievorstellung des unsichtbaren Komitees sowie deren Gesellschaftsanalyse aus einem fundierten marxistischen Blickwinkel kritisiert. Diese Auseinandersetzung ist äußerst fruchtbar und lesenswert. Wichtig ist hier auch die Frage, was kommt nach dem Aufstand?
  • „Komm-Pot“ auf begleitschreiben: Ein herrlicher, ernsthafter, gut recherchierter und äußerst kritischer Kommentar zum kommenden Aufstand. Das Büchlein wird hier gekonnt in verschiedene Theoriestränge eingebaut (Stichwort „anarchistischer Anarchismus“) und die politischen Handlungsanweisungen des Büchleins werden gekonnt zerlegt. Auch wenn ich nicht mit allen Punkten einverstanden bin (gewisse theoretische Anspielungen auch wenn sie nicht zitiert werden, Gehäßigkeiten gegen und Ideenklauerein von Philosophien gibt es im kommenden Aufstand sehr wohl, in den 7 Kreisen zumindest, in den Handlungsanweisungen überwiegt vulgäre Plumpheit) ist dieser Kommentar einer der lesenswertesten zu dem Thema, mit einer herrlichen Schlussfolgerung: „‚Der kommende Aufstand‘ bietet in zwangsoriginell-angestrengten Sätzen einen eklektizistischen Cocktail aus obskurem ‚Anarcho-Primitivismus‘, grobschlächtigem Kommunismus und Pol Pot an. Sozusagen ‚Komm-Pot‘. Und das ist nicht lustig.“
  • „Der kommende Aufstand“ auf nachrichtenspiegel-online.de: Nach einer kurzen Einführung zur katastrophalen Budgetsituation in Deutschland und auch international, werden unterschiedlichste Kommentare – die sich dem kommenden Aufstand gewidmet haben – aus deutschen Zeitungen kritisiert, wobei hier verschiedenste Widersprüche auftreten. Da wird einem vorgeworfen kritiklos über das Büchlein zu referieren, dieser Blogbeitrag scheint jedoch selbst kaum Kritik am Büchlein üben zu können und idealisiert einige der ganz problematischen Gedanken im kommenden Aufstand. Alles in allem relativ vernachläßigbarer Kommentar.
  • „Und was kommt dann?“ aus der Frankfurter Rundschau: eigenartiger, oberflächlicher Artikel, der sich selbst mit Sätzen wie: „Das Buch ist im Internet frei erhältlich und wurde von einem anonymen Kollektiv verfasst. Dennoch ist es von ausgezeichneter sprachlicher Qualität“ diskredidiert. Wild werden die verschiedensten französischen Philosophen durcheinandergewürfelt als Referenzpunkte aufgeführt („Guy Debord und Jean Baudrillard über Antonio Negri und Michael Hardt bis zu Alain Badiou„) ohne dass der Autor jemals diese Philosophen gelesen hätte, sonst würde er sich hüten diese so unkritisch in Zusammenhang mit dem kommenden Aufstand zu nennen. Der Artikel will im Wesentlichen intellektuell wirken, ohne das nötige Wissen vorbringen zu können, ist also wenig empfehlenswert, und der Autor scheint auch selbst das Büchlein nur sehr oberflächlich gelesen zu haben, sonst würde er nicht schreiben: „Ein Aufruf zur Gewalt findet sich indes nicht“. Dieser Artikel kann daher getrost ignoriert werden.
  • „Der kommende Aufstand“ auf bleib-passiv.de: ein guter Blogbeitrag, der nur kurz auf den Kommenden Aufstand eingeht, und dann den Konnex zu einer deutschen Filmproduktion aus dem Hause Bertelsmann zieht. Dieser Film, genannt „Die kommenden Tage“, gleicht einem Katastrophenfilm, nur das die vermeintliche „Katastrophe“ eine offensichtlich an den kommenden Aufstand angelehnte Terroristengrupe ist, die in üblicher Schwarz – Weiß Manier als das Ende der „Zivilisation“ dargestellt wird. Guter kritischer Kommentar zum Film und interessant mit dem Büchlein verbunden, lesenswerter Blogkommentar.
  • „Der kommende Aufstand“ von blogpoliteia: Sehr ausführliche Auseinandersetzung mit dem Text, die viele Zitate aus dem ersten Teil (den sieben Kreisen) bringt, in manchen Aspekten etwas zu unkritisch agiert, aber doch mit Distanz an den Text herangeht. Besonders gelungen sind die vielen Bilder und Beispiele aus der Popkultur, die einige Analysen des Büchleins bestätigen. Auch der Hauptkritikpunkt ist gut argumentiert und auch in meinen Augen eines der größten Probleme des Textes. lesenswert, besonders wenn man auf der Suche nach Zitaten aus dem kommenden Aufstand ist (Problem: Zitate leider ohne Seitenzahl des Pdf Dokuments).
  • „Das kommunale Manifest“ in der sz: Einer der lesenswertesten Artikel die ich bis her zu dem Kommenden Aufstand gefunden habe, eine kritische, philosophisch fundierte Analyse des Textes, die gezielt auf dessen zahlreiche Schwächen verweist, und doch aufzeigt, dass eine gewisse Faszination von diesem problematischen Büchlein ausgeht. Absolut empfehlenswert, vor allem zum Einstieg in die Theamtik des Kommenden Aufstandes.
  • „Tausend Waldgänger“ in der sz: problematisch verkürzter oberflächlicher Kommentar, der allzu viel zusammenmixt und von Batmans Joker zu Mao bis zu Ernst Jünger einen Bogen spannen will, der so nicht ganz zulässig ist. Interessant sind jedoch die Hinweise auf die zahlreichen Ähnlichkeiten des Kommenden Aufstandes zu Ernst Jünger und anderen Fortschrittsfeindlichen rechten Recken. Dieser Punkt rückt das Büchlein doch in ein eigenartiges Licht, auch wenn es anders als hier behauptet trotzdem klar als links autonome Theorie erkennbar ist.
  • „Unsichtbare Gegner. Der Kommende Aufstand“ auf sezession.de: Ein gelungener gut geschriebener Kommentar, der auf der ersten Seite das Buch selbst und vor allem dessen vielschichtige eigenartige Rezeption im deutschen Feuilleton behandelt, und auf der zweiten Seite die Parallelen zu dem genialen Film „Fight Club“ zieht. Dieser Buch-Film vergleich ist nicht nur spritzig geschrieben sondern durchaus sehr fundiert und anregend. Die Parallelen enden dort, wo im Film der vermeintliche Anführer des „Fight Clubs“ nur ein psychotisches Gedankenprodukt ist, das unsichtbare Komitee ist jedoch  nicht eingebildet aber vielleicht auch psychotisch…?
  • „Der kommende Anstand“ von schrottgewitter Blog: Sachlich und fachlich fundiert. Gut geschriebener Kommentar, der die Grenzen und vor allem eigenen Widersprüche des kommenden Aufstandes aufzeigt, wer also ein kurze fundierte Kritik lesen möchte ist hier genau richtig.
  • „Der kommende Lautstand“  auf taz.de: hier wird nicht nur das Buch in völlig richtigen Punkten kritisiert, sondern vor allem die eigenartig ephorische Rezeption im deutschen Feuilleton. Ein kurzer lesenswerter Kommentar zum Buch und seinen Feuilletons-Gehilfen.
  • „Stadt, Land, rumms…“ auf welt.de: Ein relativ gehäßiger und gleichzeitig zimlich eintönig schlechter Kommentar zu dem Kommenden Aufstand. Auch wenn einige Kritikpunkte durchaus richtig sind, bringt er nichts neues in die Diskussion ein, und die Verbindung zu Pol Pot ist auch nicht wirklich nachvollziehbar.
  • „Der kommende Aufstand“ aus De:Bug: Ein sehr gelungener kritischer Kommentar der die Schwächen des „Kommenden Aufstandes“ aufzeigt, und gleichzeitig versucht zu ergründen was die Motive für diesen Text waren. Sehr wichtig, wenn auch nichts neues, die Erkenntnis, dass diese Handlungsanleitungen denkbar ungeeignet für Proteste wie Castor und S21 sind. „Ob gefährlich oder nicht: Stilistisch ist ‚Der Kommende Aufstand‘ ein Situationismus-Update mit Zumischungen aus Anarchismus und Punk. Der lässt sich, weil schmissig formuliert, gut weglesen. Viele Sätze klingen offensiv resignierend und taugen durchaus als Kalendersprüche.“
  • „RAF 2.0? Die internationale Manifestierung des kommenden Aufstandes“ le-bohemien.de: Ein nicht allzu berrauschender aber umfangreicher Kommentar, der versucht den kommenden Aufstand in einen internationalen aktuellen politischen Kontext zu setzen, auch nicht mit Kritik spart, im Wesentlichen aber wenig neues oder überlegenswertes bringt. Auch die abschliessende Beschwörung einer neuen RAF ist leicht verfehlt.
  • „Freie Zeit zum Angriff“ auf zeit.de: nichtssagender Kommentar, der das Buch viel zu unkritisch referiert ohne auf die Problematiken bzw. Thesen überhaupt einzugehen. Oberflächliche und doch mit einer gewissen insgeheimen Bewunderung – daher Ephorisierung – geschriebener Kommentar.
  • „Wir Antidemokraten“ auf Zeit.de: absolut sinnloser Artikel, der den Kommenden Aufstand und S21, etc. alles in einen Topf wirft, mit dem nichtssagenden Überbegriff „Wutbürger“ bezeichnet und keinerlei Mehrwert enthält.
  • „Wikileaks und Der Kommende Aufstand“ Blog: lediglich ein Aufruf ob man das aktuelle Thema von Wikileaks mit Teilen des Kommenden Aufstandes in Beziehung setzen kann, aber meineserachtends vollkommen verfehlt, weil dem Kommende Aufstand doch eine gewisse penetrante Technikfeindlichkeit innewohnt, es daher – nach dieser Logik – unmöglich wäre, dass der Aufstand im Internet beginnt, wo er doch bei den verwurzelten bodenständigen Kommunen beginnen muss.
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