Zwei Hochzeiten und ein Todesfall oder wie langsam versucht wird die Monarchie zurückzubeten

Wenn mehr oder weniger bekannte JournalistInnen Blogs als Medium für sich entdeckt haben ist dies oft genug eine Zumutung. Da kann z.B. der Profil-Chefredakteur eigenartigste Fragwürdigkeiten rund um die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Strauss-Kahn veröffentlichen, einen Text schreiben ( „Freiheit für den Mann“), der neben der erschreckend niedrigen stilistischen Qualität, so viele problematische Stellen enthält, dass er hier gar nicht weiter diskutiert werden muss, da er sich ohnehin von selbst diskreditiert.

Ein anderer, wahrscheinlich DER Journalist der Blogosphäre Österreichs – zumindest in dessen Selbstwahrnehmung -, Andreas Unterberger, der seine Texte gerne als Abo verkauft, hat nun wieder ein trauriges Paradebeispiel dieser Zunft veröffentlicht. Offen bekennt sich Unterberger in diesem mehr als eigenartigen Text, als Monarchist, stellt die wenige Demokratie die in Österreich noch existiert in Frage und ruft zur Rückkehr ins Mittelalter auf, ideologisch und politisch zumindest – die Technik um seine Tagebucheinträge zu veröffentlichen und zu Geld zu machen, sollte wahrscheinlich doch erhalten bleiben. Dass sich Unterberger ins konservativste Eck stellt sollte ja nicht weiter verwundern mit welcher Vehemenz er dies in diesem Nachruf auf Otto Habsburg tut darf aber doch erschüttern.

Nach dem mehrstündigen Themenabend zum Tod von Otto Habsburg im ORF war man ja schon an einseitige Berichterstattungen rund um die Habsburger gewöhnt, und natürlich verlangen Nachrufe ihre eigene Pietät, einen Nachruf allerdings derart zu missbrauchen, dass man hierin seinen ganzen lebenslang angestauten Sozi-Hass und den anscheinenden Hass auf die Demokratie verpackt, scheint doch äußerst verstörend zu sein. Neben den wenigen Sätzen zu Otto Habsburg und dessen Tod besteht der Großteil dieses Textes darin, die „gute alte Zeit“ zu feiern, sich die Monarchie unter den Habsburgern zurückzuwünschen, die Geschichte zu verdrehen und jede Menge sonstiges politisches Kleingeld zu wechseln. Würde man in einem Nachruf auf Habsburg- in ähnlich intensiver Weise -, statt auf die Demokratie, auf die Monarchie schimpfen, würde sich das konservative Bürgertum zu jeder Menge wutbürgerischen Anklagen der Pietäts- und Geschmacklosigkeit hinreißen lassen. Aber Unterberger darf diese Gelegenheit zur unverschämten Abrechnung mit der Politik nützen.

In den heutigen Zeiten ist es ja nicht weiter unüblich, dass Monarchisten Oberwasser wittern, schließlich wird gefühlt jedes Wochenende geheiratet und der gesamte Hochadel Europas kommt aus dem Feiertaumel gar nicht mehr heraus, da die Könige und Königinnen sowieso keine anderen Aufgaben haben als Feste zu feiern und sich dabei von Millionen ZuschauererInnen beobachten zu lassen, ist den armen Adeligen wenigstens nicht langweilig auf ihren riesigen Besitztümern, die von SteuerzahlerInnen erhalten werden. Annähernd jeder Fernsehsender und jede Zeitung entpuppen sich dann an solchen Wochenenden als Societyblätter und berichten stunden- und seitenlang über Tränen, kurze Küsse, holprige Kutschenfahrten und sonstige Tragödien aus dem Leben der Adeligen.

Unterberger geht jedoch in dieser Monarchienostalgie noch einen Schritt weiter, und versucht die Habsburger als tatsächliche vernünftige Alternative zur derzeitigen maroden demokratischen Lage zu fantasieren. Ist dabei um keinen Elbogencheck gegen den Bundespräsidenten verlegen und beschimpft auch sonst so ziemlich alle die sich für Demokratie in diesem Land einsetzen. Da ist der Satz: „Es hat auch ganz jammervolle Herrscher aus dieser Familie gegeben.“ schon der monarchiekritischste Kommentar Unterbergers, sonst lobt er den König an der Spitze für die Einheit und Identität die er diesem Land wiedergeben könnte, verachtet die „Diebesbanden“ die den Habsburgern das Eigentum und die Einreiseerlaubnis verwehrten und die unvernünftigen, die tatsächlich der Meinung sind, das demokratisch legitimierte Staatsoberhäupter eine bessere Alternative als generationsübergreifende Herrscherfamilientyranneien sind.

Dieser Kommentar Unterbergers ist ein jämmerliches Zeugnis der geschichtsverleugnenden Kurzsichtigkeit dieser selbsternannten „liberalen Bürger“, die tatsächlich „einen schritt Richtung Monarchie“ als einen vernünftigen Schritt erachten. Ein Schritt Richtung Monarchie ist allerdings allerhöchstens ein Sprung zurück, der an Lächerlichkeit und Dummheit kaum übertroffen werden könnte, und sinnbildlich für die postdemokratische Politikverdrossenheit, die sich manchmal eben auch in Demokratiehass verwandelt, steht. Unterberger stellt hier einen Vordenker in das Mittelalter zurück, ein liberaler Rückdenker also …

Für die geschichtsverfälschende Widerlichkeit dieses Textes steht dieser Satz wohl exemplarisch, der diesem Text die Krone der Jämmerlichkeit aufsetzt:

Aber vor allem habe ich tiefe Hochachtung vor jenem Mann (Otto), der nach Engelbert Dollfuß die mutigsten und ernsthaftesten Anstrengungen unternommen hat, um Österreich vor dem Zugriff der Nazis zu retten, und um einen spürbaren österreichischen Widerstand gegen die Hitler-Diktatur zu organisieren.

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