Der Falter wird zum Meerschweinchen

Da hat sich doch vor einigen Wochen der von mir sehr geschätze Aufdeckungsjournalist im Club 2 – meinen Bericht dazu gibts hier – massiv über Wikileaks und das unzensierte Veröffentlichen im Internet beschwert, ja es quasi als Verbrechen dargestellt, nur weil Klenk damit seine Profession als Enthüllungsjournalist gefährdet sah. Damals kündigte er im Club 2 an, dass er Zugang zu Abhörprotokollen von Telefongesrächen zwischen Grasser und Meischberger habe, diese im nächsten Falter präsentieren wird, aber so etwas niemals im Internet veröffentlichen könnte, weil dass seinem Journalistenethos widersprechen würde.

Im Falter vom 8.12.2010 wurden dann Teile dieser Protokolle veröffentlicht. Nun gab es tatsächlich wenig Resonanz auf diese erschütternden Veröffentlichungen und wenige andere Medien haben dieses Thema aufgenommen. Im Falter vom 15.12.2010 beschwert sich Armin Turnher in seinem Leitkommentar über eben jene „bescheidene Resonanz“ auf diesen Artikel, und kann sich einen Seitenhieb auf den „Cyberwar„, der anscheinend den Falter-Veröffentlichungen die Show stahl, nicht ersparen. Die von Turnher und dem Falter so viel beschworenen Meerschweinchen seien also daran schuld, dass diese Enthüllungen nicht den reisenden Absatz bekamen, den sie verdient haben.

Nur eine Woche später ändert der Falter nun seine Taktik. Heute am 21.12.2010 werden die Protokolle unzensiert (wie es heißt) veröffentlicht, und zwar – man mag es als eifriger Falterleser kaum glauben – im Internet, gratis und für alle zur Verfügung. Florian Klenk, der kurz nach dem Club 2 einen Twitteraccount eingerichtet hat, verkündetet diese Botschaft heute, und natürlich haben wir „Meerschweinchen“ uns alle gefreut. Die Veröffentlichung wurde für 17:00 Uhr angekündigt, als dann allerdings schon einzelne Seiten im Internet auftauchten (weil sie Teil einer parlamentarischen Anfrage sind) schickte Klenk den Link zu der Falterveröffentlichung doch gleich aus.

Siehe da, der Falter ist zum Meerschweinchen geworden. Letzte Woche wurde eben diesen noch die Schuld an der geringen Resonanz in die Cyberschuhe geschoben, heute werden sie gebeten, ihre Netzwerke zu nützen und die #Falterleaks eifrig zu verlinken, posten und verteilen. Auch wenn der Falter – bedingt durch die bisherige Ignoranz gegenüber den neuen Medien – diese Veröffentlichung noch etwas tolpatschig durchführte, sei es mit der angekündigten Zeit, oder auch dass auf allen 26 vom Falter veröffentlichten Seiten, riesengroß und unzählige Male im Hintergrund Falter zu lesen ist, was eine ungute Penetranz ausstrahlt, so ist dies heute doch ein riesen Schritt in die richtige Richtung. Der Falter dürfte also erkannt haben, dass das Internet eventuell auch für eine Zeitung attraktive Möglichkeiten bietet. Wir sind begeistert.

Die Meerschweinchen – ein katastrophaler Begriff übrigens – sind allerdings nicht nachtragend, sind dem Falter also für die jahrelangen Angriffe nicht unbedingt böse, sondern verbreiten nun eifrig diese Enthüllungen, vor allem weil wir alle auf der selben Seite stehen, wir alle möchten nämlich dass diese erschütternden Protokolle möglichst viel Resonanz bekommen, vielleicht versteht das Turnher auch bald. In diesem Sinne werden wir dem Falter helfen seinen Einstieg ins Web zu finden und hoffen nun auf einige weitere Falterleaks. Und die werden kommen, denn nach wenigen Minuten gab es bereits einige Hundert Tausend Zugriffe auf die Protokolle, und der Server brach kurz zusammen, dass ist doch ein Erfolg (oder ein DDos Angriff der bösen Meerschweinchen). Es scheint auch schon einen ersten Mirror zu geben. Und keine Angst lieber Falter, nur weil nun der eine oder andere Artikel im Internet erscheint, werde ich auch ganz bestimmt nicht mein Falterabo abbestellen. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass nun auch endlich die Falterhomepage umgestaltet werden sollte.

Hier der Link zu den veröffentlichten Protokollen (unzensiert und „supernackt“)

Hier der Link zu Florian Klenks Twitteraccount

und hier noch ein zum Thema der Protokolle passendes geniales Liedchen:

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3 Antworten zu Der Falter wird zum Meerschweinchen

  1. Václav Habich schreibt:

    … unser Webserver war einfach nur überlastet🙂

    • rhizomorph schreibt:

      ja der server ist natürlich solche zugriffszahlen nicht gewöhnt, aber vielleicht wird ja jetzt doch einmal die eine oder andere strukturelle und vor allem graphische veränderung vorgenommen…
      der falter würde eine ansprechendere homepage durchaus verdienen

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