Rassismus im angeblich „besten Computergeschäft Österreichs“?

Ein kurzes Resümee der gestrigen Sommergespräche des ORF mit Strache, in vielerlei Hinsicht eine absolut verzichtbare Sendung…

Wo soll man hier beginnen? Diese Sendung weißt so viele störende Elemente auf und jedes einzelne davon würde bereits alleine genügen um diese Sendung absolut sinnlos, belästigend und vor allem nichtssagend zu machen. In dieser tödlichen Kombination der Elemente allerdings sind diese Sommergespräche einfach nur noch eines, nämlich absolut bedeutungslos. In der gestrigen Sendung hieß das absolut störendste Element Strache. Dies war natürlich auch nicht anders zu erwarten. In den vorhergehenden Sommergesprächen (zumindest in einem) waren die störendsten Elemente jedoch die Wirtschaftsbeiwagerl, die der ORF in Ermangelung von Kompetenz und Kreativität dieses Jahr einsetzt um ein normales solides Politikerinterview, die fähige Moderatorin dafür hätte man ja, zu einer reinen Farce verkommen zu lassen. Wo letztes Jahr peinlich ungebildete Möchtegern-Prominente die Gespräche verunstalteten, und Fremdschämen das einzige geblieben ist, an was ich mich noch erinnern kann, sorgen heuer Wirtschaftsbosse verschiedenster Unternehmen nicht nur für unrunde Gespräche sondern vor allem für Eigenwerbung. Gewohnt als ChefInnen verschiedenster Unternehmen immer am Wort zu sein, reden in diesen Sommergesprächen weder die Moderatorin noch die Gäste sondern hauptsächlich die Wirtschaft. Genutzt wird die Gelegenheit in der fast Primetime neoliberales Gedankengut zu versprühen und Werbung für das eigene Unternehmen zu machen.

Zur Perfektion führte diese Eigenwerbung Aleksandra Izdebska, die ihre Firma Di-Tech in praktisch jedem Satz erwähnte und beim Zuschauer dafür sorgte, dass neben dem rassistischen Geschwafel Straches nur noch eines im Kopf hängen blieb, nämlich dass wir es hier mit der „besten Computerfirma Österreichs“ zu tun haben, vielleicht sogar bald der Welt? Ansonsten fungierte sie nur als Stichwortgeber für Strache, konnte nichts entgegenhalten und schwang die neoliberale Keule gegen Glawischnig, indem sie für Strache vorbereitend deren Pläne aus dem Gespräch letzter Woche (35-Stunden Woche, Steuererhöhungen) verurteilte, was Strache dankbar weiterführte.

Doch was leistete unser Stargast dieser Sendung. Frisch aus dem Urlaub zurückgekehrt machte er hauptsächlich einen müden Eindruck, schien selbst etwas gelangweilt von seinen ewig gleichen Formulierungen und NLP Techniken. Zwischen der Langeweile konnte man jedoch extreme Rassismen vernehmen und erschreckende Formulierungen. So verwies Strache auf die „Wiener Blut“ Plakate befragt darauf, dass eine Mischung des Bluts ja nicht schlimm sei, nur zu viel Fremdes ist furchtbar. Und erwähnte in diesem Zusammenhang dass es ihm auch nichts ausmache, dass selbst Strauß jun. „jüdisches Blut“ in seinen Adern hatte. Wie bitte? Unwidersprochengebliebener Antisemitismus zur fast-Primetime, da kann man nur froh sein, dass die meisten ZuseherInnen zu dieser Zeit schon vom Gesprächsverlauf eingeschläfert wurden oder den rettenden Griff zur Fernbedienung getätigt haben. Da fällt es dann auch nicht weiter auf, wenn Strache die zweite Wiener Türkenbelagerung (die er ja so gern zitiert und mit der heutigen Situation vergleicht) 1863 verortet (rund um Minute 11) obwohl diese ja bekanntlich etwas früher, nämlich 1683 stattgefunden hat (via @stefanpollach / Twitter). Wenn man schon Geschichte bemüht und Zahlen auswendig lernt, sollte man dies wenigstens richtig tun. Auf dem selben Wahrheitsgehalt dieser Zahl argumentiert Strache in allen Themen, vielleicht nimmt er wie oben auch die richtigen Zahlen (auch wenn er dies selten tut) aber er vermischt sie wie oben auch so lange, bis das Ergebnis zu seiner rassistischen Argumentation passt.

Was bleibt, ist der schale Nachgeschmack einer verpassten Stunde Lebenszeit, die man weit sinnvoller verwenden hätte können. Auch bleibt die endgültige Bestätigung einer bekannten Tatsache, nämlich dass der ORF unfähig ist interessante Politikerinterviews im Rahmen der Sommergespräche zu inszinieren. Und natürlich bleibt vor allem das unglaubliche Bedürfnis zurück im „besten aller Computergeschäfte Österreichs“ einzukaufen.

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