#unibrennt – der film … zur selbsthistorisierung einer noch aktiven bewegung

“#unibrennt film überstanden einige nostalgische und gelungene momente kaum was neues nicht schlecht aber auch kein meisterwerk #kino … dies war meine erste twitter reaktion auf den #unibrennt film, den ich heute mit zahlreichen anderen aktivistInnen im village kino in der vorpremiere bestaunen durfte. Dies ist also das produkt gewesen, über das in so vielen plena gestritten wurde und um das auch zur zeit heftige diskussionen stattfinden (siehe forderung nach #unibrennt film als creative commons).
es ist sehr schwer diesen film einzuschätzen, zu bewerten, vor allem als aktivist, der vom ersten tag an dabei war, und aus dieser position muss ich sprechen. ich kann daher leider nicht beurteilen, wie der film wirkt, wenn man nicht teil dieser bewegung war/ist und keine ahnung hat, was im audimax abgegangen ist, ich kann nicht beurteilen, ob man danach sympathie, empathie oder abneigung empfindet, ob man die unibrennt kerngedanken mitbekommen hat (mit ziemlicher sicherheit aber nicht), ob man dem historischen verlauf tatsächlich folgen kann. ich kann allerdings versichern, dass dieser film in den augen eines aktivisten gemischte gefühle auslöst und das prädikat mittelprächtig angehängt bekommt.
der film besteht zu über 90 % aus direkten aufnahmen der ag doku, der hiermit ein herzlicher dank ausgesprochen sei, nicht nur wegen des films, sondern vor allem wegen der unermüdlichen arbeit seit mehr als einem jahr, die wesentlich dazu beiträgt unsere anliegen zu verbreiten und unsere aktionen aufzuzeichen. der film verzichtet, und dass finde ich sehr gelungen und wichtig auf einen stringenten handlungsbogen und ein/e erzählerIn, sondern lässt die aufnahmen der ag doku für sich selbst sprechen. einziger anhalts- und orientierungspunkt sind die twitterkommentare, die stets eingeblendet werden, die teilweise authentisch aber auch teilweise erfunden sind, und so etwas wie den erzählerischen rahmen abgeben. natürlich ist wenig neues material dabei, und als eifriger unibrennt tv junkie kennt man auch das meiste material bereits. diese 80 minuten des films wurden aus über 900 stunden archivmaterial zusammengeschnitten und es ist natürlich eine harte entscheidung gewesen welche szenen aufgenommen werden und welche nicht. der film schafft es in jedem fall die chronologie der besetzung und der monate danach wiederzugeben, viele unglaubliche momente aufzuzeigen, aber auch nicht mit kritik zu sparen und einen bunten breiten überblick über das heterogene unibrennt zu geben. natürlich ist für jede/n aktiven teilnemerIn immer das eine oder andere ausgespart, dass doch unbedingt im film sein hätte müssen, natürlich könnte ich kaum etwas rausschneiden und müsste den kinobesucherInnen die vollen 900 stunden vorführen. für uns, aktivistInnen, dient der film zu nicht mehr als einer erinnerungsstütze einer nostalgiemaschine, die dafür sorgen soll gänsehautmomente nocheinmal zu reproduzieren, und dies schafft der film auch. ironische momente stehen neben monumentalen und neben lächerlich absurden sowie auch hoffnungslosen momenten und bieten einen netten einblick in den alltag eines/r audimaxisten/in.
nach vielen gesprächen mit anderen aktivistInnen bleibt die einhellige meinung zurück, dass dieser film kein meisterwerk ist, aber auch nicht der reinfall, als den ihn einige gerne sehen würden, sondern ein wertvoller teil in der unibrennt geschichte und archivierung.  ein kollege meinte sogar er sei eigentlich verärgert über sich selbst, dass dieser film ihn so wenig empört, und er zugeben muss, dass dieser film eigentlich nicht so schlecht sei. der film ist sehenswert, ruft erinnerungen hoch, weckt nostalgische gefühle und kann an einzelnen stellen sogar ein wenig von dem unglaublichen dynamischen gefühl der besetzung einfangen und hoffentlich auch weitergeben.
der film bietet großteils gut ausgewählte zusammenschnitte von unibrennt tv, versucht diese so wenig zu werten wie möglich und stellt doch einen wichtigen teil in der selbsthistorisierung der bewegung dar. eine kollegin meinte hierzu kritisch, dass in dem moment in dem historisierung beginne, die bewegung selbst tot sei, doch der film zeigt genau das gegenteil. schließlich ist hier genau das hauptproblem des films. er versucht eine bewegung zu dokumentieren, die noch immer voll aktiv ist. der film beschränkt sich nicht auf die reine besetzung des audimax sondern zeigt auch gelungene szenen der internationalen ausbreitung und vernetzung und der tools des web 2.0 die ebenfalls keine unbedeutende rolle gespielt haben und noch immer spielen. diese bewegung kann aber natürlich schwer in einem dokumentarfilm historisiert werden, wenn sie noch aktiv ist, so endet der film auch völlig unvermittelt und plötzlich und zeigt damit selbst sein eigenes zu-früh kommen an. unibrennt ist noch nicht bereit auf herkömmliche weise analysiert und eingeordnet zu werden, da es noch nicht vorbei ist, und so fehlen zentrale momente der letzten zeit, wie z.B. der preis auf der ars electronica und die eigene präsentation dort.
im film ist das ende plötzlich in der realität ist es noch lange nicht angekommen und daher noch offen. es wird sich also erst in den nächsten jahren, wenn vielleicht langsam eine erste historisierung von unibrennt möglich ist, zeigen, wie dieser film in dieser heterogenen bewegung einzuordnen ist, faktum ist allerdings, dass er sehenswert ist, sehr starke momente hat (typ vom wissenschaftsministerium, internationale vernetzung, etc.) und daher auch seine volle berechtigung hat.
in diesem sinne habe ich auch kurz nach meiner ersten twittereinschätzung, den film in folgender twittermeldung zusammengefasst: “Immerhin bleiben ein paar lacher und einige gänsehautmomente und die gewissheit dass #unibrennt nicht in 90 min #kino gepresst werden kann”

Selbser anschauen und meinung bilden ab dem 29. okt. in den verschiedensten kinos
[danach zeigte das wissenschaftsministerium, das einen vertreter zu einer diskussion in den kinosaal schickte, erneut seine absolute unfähigkeit und für uns die notwendigkeit weiterzumachen, hier wurde leider anscheinend nichts verstanden (egal ob familienbeihilfekürzung, studienbeschränkungen, etc.).
und danach fand eine nette kleine premierenfeier im fluc statt, auf der sowaxx und auch monomania (hintergrundmusik des trailers) spielten.]
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2 Antworten zu #unibrennt – der film … zur selbsthistorisierung einer noch aktiven bewegung

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