Warum #unibrennt auch #unibrennt bleiben muss

Ein kurzer Kommentar zur Hashtag-Debatte rund um den ersten Jahrestag von #unibrennt. Aber natürlich nur eine(r) von vielen…

Ja, in wenigen Wochen jährt sich die Besetzung des Audimax und damit auch die Geburtsstunde der #unibrennt Bewegung, Cloud, usw. zum ersten Mal. Ja, die Bewegung hat sich sehr verändert, von einer großen Masse die es interessant fand auch in ihrer Generation einmal einen Hörsaal zu besetzen hin zu einer politischen Bewegung, die im Moment nichts besetzt und trotzdem aktiv ist, und die nach wie vor ein großes Mobilisierungspotential hat. Immer schon flossen die verschiedensten Strömungen, Ideen, Aktionen und vor allem Menschen (von StudentInnen aus wohlhabenden Familien bis zu Obdachlosen) in dieser Bewegung zusammen. Und stets war der eine Grundgedanke, der alle unter dem Hashtag #unibrennt versammelte, Heterogenität. Immer hat diese Bewegung versucht das zu bleiben was es sonst so selten gibt, eine Protestbewegung ohne WortführerInnen, mit möglichst geringen Hierachien, ohne die Unterstützung von Parteien oder anderen Organisationen, ein wildes Kollektiv, eine heterogene Masse, eine ubiquitous cloud.

Den Großteil dieses ersten Jahres hat #unibrennt keine Hörsäale besetzt und leider auch keine großen Demonstrationen abgehalten, aber dennoch war das ganze Jahr #unibrennt aktiv, in den Medien vertreten, untereinander am ständigen koordinieren, verhandeln und diskutieren und #unibrennt ist auch nie ganz aus den Medien verschwunden. Gerade jetzt zu Semesterbeginn, wo verschiedenste unfähige Personen in verschiedensten mittleren und höheren Ämtern wieder Ideen entwickeln wie man Universitäten verkleinern, zusperren und sozial selektiv machen kann, ist #unibrennt ein Dauergast in den Medien. Warum sollten wir nun also unser Kennwort, unseren Hashtag verändern. Immer mehr Stimmen verlangen, dass #unibrennt einen neuen, frischen Hashtag verwendet. Aber das ist eine schlechte Idee. Nicht nur in den Medien sondern auch untereinander ist #unibrennt das Schlagwort dieses Protestes geworden und wird nie ersetzt werden können, nicht für diese Leute die unter diesem Hashtag ein Jahr lang gearbeitet haben, nicht für die Medien, die mittlerweile gelernt haben die leider noch außergewöhnlichen Strukturen von #unibrennt zu akzeptieren und zumindest teilweise gelernt haben mit einer cloud umzugehen, die eben keine VertreterInnen vorschickt, die versucht Basisdemokratie auch in den eigenen Strukturen im kleinsten, und sei es nur ein Flyertext zu leben und nicht nur bei anderen zu verlangen. Und es geht aber natürlich nicht nur um die Medien, die #unibrennt gerne verwenden, weil es ein knackiger Begriff ist, es geht um die unzähligen Menschen in der ganzen Welt, die sich mittlerweile unter #unibrennt etwas vorstellen können.

Der Name, der Hashtag mag genausowenig originell und passend sein, wie die Strukturen dieser Bewegung, er mag vielleicht auch genausowenig funktionieren wie basisdemokratische Versuche in manchen Bereichen scheitern, und dennoch ist er genauso notwendig wie die Basisdemokratie, die nicht immer ganz ausgereift ist. Natürlich ist unser gesamtes System, unser hoher Anspruch an uns selbst nicht immer durchsetzbar, optimal und funktionell und doch ist es das was mich und viele andere auch an dieser Bewegung so fasziniert. Keiner kann erwarten, dass eine heterogene Menge in einem Jahr eine Struktur und Organisationsform entwickelt, die einwandfrei funktioniert, keiner kann erwarten, dass ein Name der sich in den ersten Stunden der Bewegung als witziger Slogan gebildet hat, ein Jahr später die Bewegung noch immer adäquat vertritt, und doch ist sowohl die Organisationsform als auch der Name sehr gelungen. In verschiedensten Gesprächen, sei es auf der Ars Electronica oder auch in anderen Bereichen habe ich erfahren dürfen, dass #unibrennt international auch nach einem Jahr noch sehr bekannt und beachtet ist, und viele Leute aus den verschiedensten Ländern sehr genau über dieses #unibrennt Bescheid wissen. Es wäre ein taktischer und ideeller Fehler diese Marke #unibrennt zu verlassen, nur weil der Begriff nicht mehr adequat zu sein scheint. Innerhalb von einem Jahr einen Begriff zu kreieren der weithin bekannt und anerkannt ist, der sinnbildlich für Widerstand gegen die Zerstörung der Universitäten steht, der von allen Seiten verwendet wird, und der (furchtbares aber passendes Wort) etabliert ist, ist ein großer Erfolg, und wir sollten nicht durch einen neuen Hashtag diesen Vorteil freiwillig aufgeben.

So sollten wir alle weiterhin als das agieren was uns so stark macht, nämlich als heterogene Masse, die verschiedenste Ideen und Vorstellungen aufeinanderprallen lässt, und genau als diese heterogene Masse nur zwei Gemeinsamkeiten hat, einerseits die Situation der maroden Universitäten zu verbessern und andererseits unter diesem ubitiquous, preisgekrönten Hashtag zusammenkommt, und sogar diese Gemeinsamkeit des Namens diskutiert. Genau das ist die Stärke, alles immer wieder zu hinterfragen und alles zu diskutieren. In diesem Sinne bin ich, als einer von vielen, der Meinung, dass #unibrennt auch #unibrennt bleiben soll.

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3 Antworten zu Warum #unibrennt auch #unibrennt bleiben muss

  1. Pingback: Pressespiegel 16.09. – 26.09.2010 | #unsereuni

  2. Nick schreibt:

    Eine Frage: Wer fordert denn überhaupt, dass der Begriff #unibrennt abgeschafft oder ersetzt wird? :) Soweit ich das mitgekriegt habe hat sich die Hashtag-Debatte vor ca. spätestens einem halben Jahr von selbst erledigt. Wenn auf twitter kein platz mehr ist, wird #unibrennt doch von den meisten als hashtag statt #unsereuni bevorzugt. im übrigen hab ich nach wie vor “#unibrennt OR #unsereuni” als suchwörter gespeichert, sodass es keinen großen unterschied macht, was verwendet wird ;) aber #unibrennt ist und bleibt DIE Marke

    • rhizomorph schreibt:

      es gab eben vor ein paar wochen erst eine kurze debatte, ob der hashtag wegen des 1 jährigen jubiläums verändert werden sollte, diese diskussion war aber relativ kurz und die meisten waren eh für die beibehaltung des #unibrennt hashtags…

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